Andreas G. Förster

Auf dem Dachboden der Geschichte

In La traduction on 2018-01-09 at 3:32 pm

Anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx dreht sich die kommende Ausgabe der Zeitschrift LuXemburg um jenen Mann, der „kein Marxist“ war: Als Politiker wird Marx in der Linken wenig diskutiert, dabei lässt sich für aktuelle Strategiefragen vieles lernen. Wie könnte Gewerkschaftspolitik aussehen, die sich bei »Marx-Consulting« (Hans-Jürgen Urban) bedient? Wie kann an Marx anschließendes Denken einen klassenpolitischen Feminismus bereichern? Warum und wie eigentlich heute Marxistin werden und noch wichtiger: bleiben?

Diese und viele weitere Fragen diskutieren im aktuellen »Marx-Heft« der LuXemburg Autorinnen wie Michael Hardt & Antonio Negri, Bini Adamczak, Frigga Haug, Karl-Heinz Roth, Mimmo Porcaro, Ariel Salleh und andere. Darunter Tithi Bhattacharya.

Prof. Bhattacharya lehrt südasiatische Geschichte an der Purdue Universität in West Lafayette (Indiana, USA) und ist Autorin von The Sentinels of Culture: Class, Education, and the Colonial Intellectual in Bengal (2005) sowie Herausgeberin des Sammelbandes Social Reproduction Theory: Remapping Class, Recentering Oppression (2017).

Tithi Bhattacharya: „Auf dem Dachboden der Geschichte kramen. Klassengedächtnis und die Archivar*innen der Zukunft“, in: LuXemburg, 2-3/2017, n.n., übersetzt von Andreas Förster, vorab online veröffentlicht.

 

PS: Der Ausspruch Marxens, kein Marxist zu sein, wurde überliefert von Friedrich Engels; vgl. MEW Bd. 37 (Briefe), S. 450.

PPS: Versuchsweise findet in diesem Artikel das generische Femininum Anwendung.

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Die vier Grundformen des Kommunismus

In La traduction on 2017-10-18 at 10:09 am

Seit das Gespenst des Kommunismus umgeht, haben sich die herrschenden Mächte zu einer Hetzjagd verbündet. Der Antikommunismus war geboren und ist seither ein ideologischer Panzer, den das Bürgertum um seine Produktionsverhältnisse herum schmiedet. Während der Antikommunismus im Kampf gegen den „Bolschewismus“ und im Kalten Krieg seine deutlichste Ausprägung erfuhr, so ist er doch Teil einer bis heute bestehenden symbolischen Ordnung: Antikommunismus ist ein Regime der Angst.

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Enzo Traverso, Professor an der Cornell University, plädiert in seinem Aufsatz für die „Historisierung des Kommunismus des 20. Jahrhunderts“ als Erfahrung und macht in dieser Vergangenheit vier Grundformen des Kommunismus aus: als Revolution, als Regime, als Antikolonialismus und schließlich als eine Variante der Sozialdemokratie.

So erhellend der Hinweis des Historikers auf die Bedeutung der kommunistischen für die antikoloniale Bewegung ist, so zentral erscheint Traversos Forderung nach einer „Historisierung des Kommunismus“, welche jenes identitätsstiftende Narrativ zurechtzurücken verspricht, das aus der Erzählung „der Vergangenheit“ auch immer Legitimation für künftiges Handeln abzuschöpfen trachtet.

Neben dem Aufsatz von Traverso versammelt der Band Beiträge von Michael Brie, Klaus Holz, Margot Kamphausen & Elfriede Müller & Krunoslav Stojakovic und Michael Koltan.

Enzo Traverso: „Die Wandlungsfähigkeit des Kommunismus. Geschichte, Deutung und Herrschaft“, übersetzt von Andreas Förster, in: jour fixe initiative berlin (Hg.): Antikommunismus. Struktur einer Ideologie, Münster 2017, S. 111-135. Weitere Informationen auf der Website des Verlags Edition Assemblage.

 

Artists Unlimited Work Solidarity

In La traduction on 2017-09-13 at 10:47 am

Vor dem Hintergrund veränderter Bedingun­gen für künstlerische Produktion und Erwerbsarbeit, für Prozesse der Individuali­sierung und Kollektivierung, für immaterielle und kognitive Arbeit und für andere Netzwerk(-infra-)strukturen veröffent­licht die Künstler- und Residency-Initiative Artists Unlimited eine zweibändige Publikation.

KINSHIPINSOLITUDE

In einem Textband wird der Frage nach dem Begriff der Solidarität in der Kunst (und deren Überschneidungen mit Ökonomie, Wissenschaft und Politik) als zentrales Untersuchungsmoment nachgegangen. Im Fokus stehen dabei verschiedene Wechselwirkungen zwischen sozialen Verschiebungen einerseits und Selbstwahrnehmung kollektiver Arbeits- und Lebenspraxen, der Schaffung von Neuem oder schwierigem Denken über (noch unbekannte) Solidarität andererseits.

Als Übersetzer durfte ich zu den Beiträgen von Paul Buckermann & Arkadiusz Półtorak, Peter Hermans & Ana Teixeira Pinto sowie von Prof. Rahel Jaeggi ein Scherfchen beitragen. Begleitet wird dieser erste Textband von einem zweiten Band über ein Alltags-Archiv von über dreißig Jahren (1985–2017) mit mehr als 25.000 Fotogra­fien von Gründungs­mitglied Klaus-Dieter Braun. Es gibt Buch-Release-Veranstaltungen in mehreren Städten, etwa am 15. September in Bielefeld und am 26. Oktober in Leipzig, in Berlin wird der Verlag adocs präsent sein auf der Art Book Fair Berlin vom 22.-24. September.

Anna Jehle, Paul Buckermann (Hg.): Kinship in Solitude. Perspectives on Notions of Solidarity, Berlin 2017, zweisprachige Ausgabe deutsch-englisch; einzelne Beiträge übersetzt unter anderem von Andreas Förster. Weitere Informationen auf der Website des adocs Verlags und der Website des Herausgeberkreises.