Andreas G. Förster

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Rebellion an der Peripherie

In La traduction on 2014-03-22 at 1:22 pm

Graffiti in Tuzla„Mit ihren radikalen Forderungen und Volksversammlungen zeigt die Rebellion in Bosnien und Herzegowina, dass der weltweite Kampfzyklus noch lange nicht vorbei ist.“ Mate Kapović, Lehrbeauftragter an der Universität von Zagreb in Kroatien und linker politischer Aktivist, befasst sich mit den jüngsten Sozialprotesten in Europa, in Bosnien und Herzegowina. Kapović sieht Licht und Schatten, Hoffnungen und Grenzen der Bewegung, die doch erst ganz am Anfang steht. Sein Artikel beginnt so:

„Am Freitag, dem 7. Februar 2014, standen Regierungsgebäude in ganz Bosnien-Herzegowina in Flammen. Dessen Einwohner, die lange still gewesen waren, entschlossen sich schließlich, ihre Meinung zu äußern. Und als sie das taten, erklangen nicht nur Worte – es war ein Aufschrei: Feuer, Steine und schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Das eindrucksvollste und symbolischste Bild dieser ersten Tage der Rebellion zeigte ein brennendes Regierungsgebäude in Tuzla, in der Stadt, in der alles begann. Dort stand ein Graffiti zu lesen: „Tod dem Nationalismus“. Da der Nationalismus lange Zeit die bevorzugte Zuflucht der politischen Eliten des Landes gewesen war, die ihn benutzten, um ihre politische und ökonomische Unterdrückung zu rechtfertigen, war dies in der Tat eine kraftvolle Botschaft.“

Mate Kapović, „Bosnien-Herzegowina: eine Rebellion an der Peripherie Europas“, LuXemburg online, März 2014, übers. v. Andreas Förster.

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Philosophie und Widerstand

In La traduction on 2014-03-17 at 2:12 pm

Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds wollten Griechenland als Versuchslabor für kapitalistisches Krisenmanagement nutzen.

Buchcover DouzinasAber der vielfältige Widerstand machte aus dem Objekt des Experiments ein politisches Subjekt und durchkreuzte die Pläne der Eliten. Die Demokratie, ihre Idee und ihre Grenzen werden nun an ihrer Wiege, in Griechenland, neu erfunden.

Costas Douzinas erörtert die globale Krise und das Recht auf Widerstand, ergründet neoliberale Biopolitik und direkte Demokratie. Er beleuchtet auch die Verantwortung der Intellektuellen und die Poesie der Multitude, er diskutiert die Verschränkung von Populismus und Emanzipation. Am Beispiel Griechenlands zeigt der in London lehrende Jurist, wie radikal die weltweit anhaltende Welle von Protesten, Aufständen und Revolutionen die politische Landschaft verändert hat. Diese Entwicklung ist das jüngste Beispiel für die ewige Wiederkehr des Widerstands, dieses beständigen und bestechenden Merkmals des menschlichen Geistes.

Costas Douzinas: Philosophie und Widerstand in der Krise. Griechenland und die Zukunft Europas (LAIKAtheorie, Bd. 41), Hamburg 2014, Orig. v. 2013, übers. v. Andreas Förster, weitere Informationen (inkl. Leseprobe) beim Laika-Verlag.

Siehe auch Douzinas‘ aktuelle Wortmeldung in der Wochenzeitung Jungle World: »Die Linke wird improvisieren müssen«, Interview von Boštjan Videmšek, Jungle World Nr. 3, 16. Januar 2014; und im Gespräch mit Stephan Karkowsky: „Zum Sein gehört der Widerstand“, auf Deutschlandradio Kultur, 5. Mai 2014.

Besprechungen: Julian Heissler, „Weltweit Frühling“, in Freitag 11/14 (Sachbuch-Beilage); Wolf Senff, „Erneuerte Demokratie durch Widerstand“, in Titel Kulturmagazin, Mai 2014; Barbara Eisenmann, Rezension auf SWR2 Literatur, 25. Mai 2014.