Andreas G. Förster

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Zurück in Tuzla

In Les sous-titres on 2015-02-19 at 6:23 am

Im Oktober 2014, wenige Tage nach der Wahl in Bosnien-Herzegowina und einige Monate nach den sozialen Massenprotesten im Februar, befragten die Filmemacherinnen des Videokollektivs Year 01 mehrere ArbeiterInnen in Tuzla über deren aktuelle Situation. Die ist beschwerlich: der Weg in die Arbeitsmigration ist versperrt. Jetzt haben sie eine unabhängige Gewerkschaft gegründet, Solidarnosti.

ZurueckintuzlaDas Videokollektiv schreibt: „Vor einem Jahr, am 5. Februar 2014 begann in Bosnien-Herzegowina die größte soziale Bewegung seit dem Krieg 1992-95. Sie begann aus Solidarität mit den Arbeiter_innen der privatisierten Unternehmen in Tuzla, die von der Polizei attackiert worden waren, als sie für die Auszahlung ihrer ausstehenden Löhne demonstriert hatten. Am 7. Februar breitete sich die Bewegung in ganz Bosnien aus und mehrere Regierungsgebäude gingen in Flammen auf. Hunderte Menschen in über 20 Städten begannen, Versammlungen zu organisieren. Drei Monate später verlor die Bewegung an Kraft und Jahrhundertüberschwemmungen machten den Menschen zu schaffen.“

Zurück in Tuzla. Ein Film des Year 01 video collective. Deutsche Untertitel: Andreas Förster. Der Film ist zu sehen bei labournet.tv.

Außerdem: Repression gegen Postler. Ein kurzer Clip der französischen Gewerkschaft SUD zum aktuellen Fall der Freistellung eines Postbeamten und aktiven Gewerkschafters.

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Europäischer Frühling – eine Herausforderung

In La traduction on 2015-02-17 at 4:39 pm

Der europäische Frühling hat in Athen begonnen. Mit dem spektakulären Wahlsieg von SYRIZA in Griechenland stellt erstmals eine Partei links der Sozialdemokratie die Regierung. Historisch ist aber nicht der parlamentarische Sieg, sondern wie er errungen wurde: basierend auf einem dichten Geflecht an Solidaritätsstrukturen und demokratischer Selbstvergesellschaftung, die aus der Bewegung der Plätze entstanden sind. SYRIZA ist es gelungen, sich mit Stadteilinitiativen und zivilgesellschaftlicher Selbstorganisierung in einer Weise zu verbinden, die Protest in politische Macht übersetzen konnte.

In Spanien steht eine vergleichbare Situation an – auch dort ist eine politische Verbindung der Demokratiebewegungen mit linken Parteien und Strukturen gelungen. In Irland hat sich eine breite linke Plattform gegründet, Italien und Portugal könnten folgen.

Ob dies der Beginn eines Bruchs mit dem brutalen Austeritätsregime der Troika sein wird, ob sich die Kräfteverhältnisse so weit verschieben lassen, dass eine Politik von und für die 99 Prozent in Europa möglich wird, muss sich zeigen.

Neben anderen Texten in der Sammlung „Europäischer Frühling“ findet sich der Artikel von: Panagiotis Sotiris, „Herausforderungen für die griechische radikale Anti-EU-Linke, LuXemburg online, übers. v. Andreas Förster.

Das Buch zur Ausstellung in Slonsk

In La traduction on 2015-02-09 at 10:55 am

Aus der Verlagsmeldung: „Sonnenburg symbolisiert wie kaum ein anderer Ort Beginn und Ende der zwölf Jahre währenden Schreckensherrschaft des NS-Regimes. Als eine der größten frühen Folter- und Haftstätten im Deutschen Reich wurde das Konzentrationslager Sonnenburg Anfang April 1933 eingerichtet. Nach dessen Auflösung im Frühjahr 1934 fungierte die Haftstätte als Zuchthaus. Von 1942 bis 1944 waren hier über 1500 Häftlinge aus dem besetzten Westeuropa und Norwegen inhaftiert, die aufgrund des Nacht-und-Nebel-Erlasses vom 7. Dezember 1941 verschleppt worden waren. Mit dem Näherrücken der Roten Armee wurde die Evakuierung der Haftanstalt angeordnet. In der Nacht vom 30. zum 31. Januar 1945 erschoss ein 17-köpfiges SS-Kommando 819 Häftlinge. Erstmals widmet sich eine Publikation der in der deutschen Erinnerungskultur weitgehend unbekannten Geschichte des Konzentrationslagers und Zuchthauses Sonnenburg von 1933 bis 1945. Die einhundert Kilometer von Berlin entfernte polnische Gemeinde Slonsk, das frühere Sonnenburg, ist mit dem neu gestalteten Museum und dem Friedhof mit den 16 Massengräbern ein europäischer Gedenk- und Mahnort.“

Das Begleitbuch zur Ausstellung zum Zuchthaus Sonnenburg enthält mit dem Kapitel „Das Bagno der ‚Nacht-und Nebel‘-Gefangenen“ auch, erstmals in deutscher Übersetzung (bearbeitet von Irmtraudt Kuß), den Bericht von Georges Michotte.

Hans Coppi & Kamil Majchrzak (Hrsg.): Das Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg, Berlin 2015, 240 Seiten, EUR 19,00.