Andreas G. Förster

Archive for November 2015|Monthly archive page

Economia Collectiva. Europas letzte Revolution

In Les sous-titres on 2015-11-26 at 3:43 pm

Der Dokumentarfilm von Eulàlia Comas gibt einen tiefen Einblick in ein weitgehend vergessenes, aber nach wie vor inspirierendes Ereignis der jüngeren Geschichte: Die selbstbestimmte Kollektivierung von 80% der katalanischen Wirtschaft zwischen 1936 und 1939.

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Auf den faschistischen Putsch General Francos im Juli 1936 antworteten die Arbeiter Kataloniens mit einer sozialen Revolution. Die Besitzlosen und ausgebeuteten Arbeiter, zum Großteil Anarchosyndikalisten, organisierten die Wirtschaft neu, selbstorganisiert und erschufen ein bis dato nie gesehenes soziales Sicherungssystem. Eine der radikalsten sozial-ökonomischen Umbrüche im 20. Jahrhundert. Europas letzte Revolution.

Economia Collectiva. Europas letzte Revolution. Ein Film von Eulàlia Comas, Spanien 2014, 66 min. Deutsche Untertitel: von Andreas Förster, OmU im Verleih von Sabcat Media.

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1336 Tage. Höhen, Tiefen, aber immer aufrecht

In Les sous-titres on 2015-11-25 at 12:35 pm

Sie haben es geschafft! Sie haben ihre Fabrik übernommen: die Teefabrik vor den Toren Marseilles wird jetzt in Selbstverwaltung betrieben. Seit September 2015 sind die Packungen der Marke „1336“ in den Regalen französischer Supermärkte zu finden.

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Nach mehr als drei kämpferischen Jahren, haben die 76 verbleibenden Arbeiter_Innen von Fralib im Mai 2014 den Konflikt mit dem Lebensmittel-Multi Unilever beendet und eine Genossenschaft gegründet: die SCOP.TI. Sie übernehmen die Fabrik, die Maschinen und 20 Mio. Euro Startkapital:

„Wir haben gegen einen Konzern gekämpft! Nein, keinen Konzern, wir kämpften gegen die Welt. Das Kapital, das ist die Welt heute. Und wenn wir in Gémenos dieser Scheißwelt was Gutes tun können, da bin ich dabei! Ob ich gewinne oder verliere!“

In seinem Film lässt Claude Hirsch die bewegten Geschehnisse Revue passieren, die zu diesem Sieg führten: Fabrikbesetzungen, politischer Druck, Zusammenhalt.

1336 Tage. Höhen, Tiefen, aber immer aufrecht. Ein Film von Claude Hirsch, Frankreich 2015, 73 Minuten. Deutsche Untertitel: Andreas Förster. Für labournet.tv.

Die letzte der mittelalterlichen Häresien?

In La traduction on 2015-11-24 at 10:43 pm

Die jüngste Ausgabe des Magazins der Max-Weber-Stiftung ist (im Vorgriff auf das Luther-Jahr 2017?) dem Thema „Glaube und Protest“ gewidmet. Unter den Beiträgen findet sich ein Interview mit den Historikern Gérald Chaix und André Vauchez.

Angesprochen werden darin die (ehemaligen) Unterschiede der religionsgeschichtlichen Forschungsansätze im protestantisch geprägten Deutschland und im laizistischen Frankreich, der subversive Charakter der Luther’schen Reformation (sowie deren Vorgänger) und die gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Etablierung und Institutionalisierung.

André Vauchez etwa erklärt: „Ich mag den Begriff Häresie nicht besonders, weil er ein Werturteil der Kirche übernimmt. Ich würde eher von Dissidenten oder oppositionellen religiösen Bewegungen sprechen. Diese Bewegungen hatten im Mittelalter eine stark antiklerikale Dimension. … Gegen den Gedanken, die Kirche als solche könnte politische Macht haben, wandten sich bereits eine Reihe mittelalterlicher religiöser Bewegungen. Ich meine, man muss die Reformation mit den Bewegungen des 15. Jahrhunderts in Verbindung bringen, insbesondere mit den Hussiten in Böhmen und den Lollarden in England.“

Die Reformation – die letzte der mittelalterlichen Häresien?“ Ein Interview mit den französischen Historikern Gérald Chaix und André Vauchez, geführt von Thomas Maissen, Direktor des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Paris, übersetzt von Andreas Förster, erschienen in: Weltweit vor Ort, 02/2015 (online als PDF), S. 10-13.