Andreas G. Förster

Die letzte der mittelalterlichen Häresien?

In La traduction on 2015-11-24 at 10:43 pm

Die jüngste Ausgabe des Magazins der Max-Weber-Stiftung ist (im Vorgriff auf das Luther-Jahr 2017?) dem Thema „Glaube und Protest“ gewidmet. Unter den Beiträgen findet sich ein Interview mit den Historikern Gérald Chaix und André Vauchez.

Angesprochen werden darin die (ehemaligen) Unterschiede der religionsgeschichtlichen Forschungsansätze im protestantisch geprägten Deutschland und im laizistischen Frankreich, der subversive Charakter der Luther’schen Reformation (sowie deren Vorgänger) und die gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Etablierung und Institutionalisierung.

André Vauchez etwa erklärt: „Ich mag den Begriff Häresie nicht besonders, weil er ein Werturteil der Kirche übernimmt. Ich würde eher von Dissidenten oder oppositionellen religiösen Bewegungen sprechen. Diese Bewegungen hatten im Mittelalter eine stark antiklerikale Dimension. … Gegen den Gedanken, die Kirche als solche könnte politische Macht haben, wandten sich bereits eine Reihe mittelalterlicher religiöser Bewegungen. Ich meine, man muss die Reformation mit den Bewegungen des 15. Jahrhunderts in Verbindung bringen, insbesondere mit den Hussiten in Böhmen und den Lollarden in England.“

Die Reformation – die letzte der mittelalterlichen Häresien?“ Ein Interview mit den französischen Historikern Gérald Chaix und André Vauchez, geführt von Thomas Maissen, Direktor des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Paris, übersetzt von Andreas Förster, erschienen in: Weltweit vor Ort, 02/2015 (online als PDF), S. 10-13.

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