Andreas G. Förster

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DHIP-Projekt: Identität, Identifizierung und Bürokratisierung

In La traduction on 2016-04-28 at 10:27 am

Das Deutsche Historische Institut Paris wartet als soziologisch-historische Denkfabrik mit allerhand interessanten Forschungsprojekten auf, mit Themen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Eine der DHIP-Forschungsgruppen befasst sich unter der Leitung von Dr. Séverine Awenengo Dalberto mit „Identität, Identifizierung und Bürokratisierung im subsaharischen Afrika“.

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Zu dem Forschungsinteresse heißt es dort:

Bei der Ausbildung der europäischen Staaten waren die bürokratische Identitätsfeststellung und die Etablierung von Identitätsnachweisen wesentliche Instrumente der soziopolitischen Kontrolle, der Machtzentralisierung und der Institutionalisierung der Nation. Obwohl die Verwaltung des kolonialen und postkolonialen Afrika derselben Logik unterlag, hat sich doch die Historiographie Afrikas für dieses Forschungsfeld bisher nur wenig interessiert, … Der Anspruch dieses Forschungsprogrammes ist es, einen – bescheidenen – Teil dieser Geschichte der Beziehungen zwischen Identifizierung, Bürokratisierung, Staatsaufbau und der Formierung bürgerschaftlichen Bewusstseins beizutragen.

Forschungsgruppe: Identität, Identifizierung und Bürokratisierung im subsaharischen Afrika (19.–21. Jh.), unter der Leitung von Dr. Séverine Awenengo Dalberto.

Siehe auch ein weiteres, interessantes Feld: Call for papers: Aktualität. Interdisziplinäre Ansätze…. Kolloquium des DHIP und der Universität Paris 3 Sorbonne Nouvelle. Abgabefrist: 15.5.2016.

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Danke, Chef! – Merci Patron!

In Les sous-titres on 2016-04-14 at 9:54 am

Der Film zur „Nuit Debout“-Bewegung – Regisseur François Ruffin begibt sich in den de-industrialisieren Teil von Nordfrankreich. Seine zunächst gutgläubigen, mainstream-medial vermittelten Ansichten treffen hier auf die harte Realität: die Schließung ganzer Fabriken durch den Luxus-Konzern LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, verkörpert im Firmenchef Bernard Arnault, und die darauffolgende Arbeitslosigkeit und Verarmung, verkörpert in der Familie Klur.

Schließlich hilft Ruffin dieser Familie von Textilarbeitern in ihrem Ringen mit der Arbeitslosigkeit und sucht die Aufmerksamkeit von Arnault: mit allen Mitteln. So wird Ruffin aus der Aktionärsversammlung geworfen, wo er mit einem „I love Bernard“-T-Shirt aufgetreten war.

Regisseur Ruffin unterstreicht, der Film richte sich nicht ausschließlich auf LVMH und auf Arnault, sondern müsse in einem allgemein „anti-oligarchischen Sinn“ verstanden werden. Der Film wurde in einer Open Air Vorführung auf der Nuit Debout in Paris gezeigt und befeuert die aktuellen Proteste gegen die Reform des Arbeitsgesetzes in Frankreich.

Dieser satirische Dokumentarfilm erhielt, nach eigenen Angaben, keine offizielle Filmförderung, sondern wurde mit Crowdfunding-Mitteln fertiggestellt.

Danke, Chef! – Merci Patron! Ein Film von François Ruffin, Frankreich 2016, ein Auszug von neun Minuten auf: labournet.tv. Deutsche Untertitel: Andreas Förster.

Damit Gesundheit nicht krank macht

In La traduction on 2016-04-10 at 9:48 am

„Die Folgen von Ökonomisierung und Sparpolitik sind in wenigen Bereichen so existenziell erfahrbar wie in der Pflege und der Gesundheitsversorgung. Beschäftigte wie PatientInnen leiden unter Arbeitsverdichtung und Personalmangel – oft bis hin zur Gesundheitsgefährdung“, so heißt es auf der Schwerpunkt-Seite Class & Care der Zeitschrift LuXemburg.

Die examinierte Krankenpflegerin und Gewerkschafterin Marilyn Albert, Mitglied der kalifornischen National Union of Healthcare Workers erklärt, wie die Gewerkschaften des Gesundheitssektors in dem US-Bundesstaat an der Westküste ein Gesetz durchgesetzt haben, das die Anzahl der PatientInnen beschränkt, die einer Pflegefachkraft gleichzeitig zugewiesen werden dürfen.

Besonders interessant sind diese Ausführungen auch vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Auseinandersetzung zwischen Verdi und der Charité in Berlin, in der es ebenfalls um einen Mindestpersonal- bzw. Betreuungsschlüssel geht.

Marilyn Albert: „Auch in den Krankenhäusern ist eine andere Welt ist möglich – Kalifornische Pflegekräfte erringen sichere Personalbesetzung“, Luxemburg Online, April 2016, übers. v. Andreas Förster.