Andreas G. Förster

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Die vier Grundformen des Kommunismus

In La traduction on 2017-10-18 at 10:09 am

Seit das Gespenst des Kommunismus umgeht, haben sich die herrschenden Mächte zu einer Hetzjagd verbündet. Der Antikommunismus war geboren und ist seither ein ideologischer Panzer, den das Bürgertum um seine Produktionsverhältnisse herum schmiedet. Während der Antikommunismus im Kampf gegen den „Bolschewismus“ und im Kalten Krieg seine deutlichste Ausprägung erfuhr, so ist er doch Teil einer bis heute bestehenden symbolischen Ordnung: Antikommunismus ist ein Regime der Angst.

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Enzo Traverso, Professor an der Cornell University, plädiert in seinem Aufsatz für die „Historisierung des Kommunismus des 20. Jahrhunderts“ als Erfahrung und macht in dieser Vergangenheit vier Grundformen des Kommunismus aus: als Revolution, als Regime, als Antikolonialismus und schließlich als eine Variante der Sozialdemokratie.

So erhellend der Hinweis des Historikers auf die Bedeutung der kommunistischen für die antikoloniale Bewegung ist, so zentral erscheint Traversos Forderung nach einer „Historisierung des Kommunismus“, welche jenes identitätsstiftende Narrativ zurechtzurücken verspricht, das aus der Erzählung „der Vergangenheit“ auch immer Legitimation für künftiges Handeln abzuschöpfen trachtet.

Neben dem Aufsatz von Traverso versammelt der Band Beiträge von Michael Brie, Klaus Holz, Margot Kamphausen & Elfriede Müller & Krunoslav Stojakovic und Michael Koltan.

Enzo Traverso: „Die Wandlungsfähigkeit des Kommunismus. Geschichte, Deutung und Herrschaft“, übersetzt von Andreas Förster, in: jour fixe initiative berlin (Hg.): Antikommunismus. Struktur einer Ideologie, Münster 2017, S. 111-135. Weitere Informationen auf der Website des Verlags Edition Assemblage.

 

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