Andreas G. Förster

Archive for the ‘La traduction’ Category

Chaos und Glaubenskrieg

In La traduction on 2017-05-16 at 12:39 pm

Kein westlicher Reporter hat von den kriegerischen Ereignissen im arabischen Raum und im Nahen Osten so intensiv berichtet wie der aus Irland stammende Korrespondent des englischen Independent, Patrick Cockburn. Aus nächster Nähe dokumentiert er Glaubenskriege und Chaos im Irak, in Libyen, in Syrien und im Kalifat des Islamischen Staates.

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In diesem Buch sind erstmals gesammelte Reportagen von Patrick Cockburn aus den Brennpunkten der Weltpolitik in deutscher Sprache versammelt. Er berichtet von den dramatischen Folgen des 1990 verhängten Embargos gegen den Irak, indem er dessen Opfer porträtiert. Er erzählt vom Aufstand der Sunniten gegen die amerikanischen Truppen im Irak, indem er deren Protagonisten interviewt. Und er begleitet die BewohnerInnen Syriens auf dem Weg in die Katastrophe, genauso wie jene Menschen, die unter der Herrschaft des IS-Kalifats leben müssen. Von 1990 bis 2016 spannt sich dabei der Bogen seiner Berichte von der Front und vom Leben in zerfallenden Staaten des Nahen Ostens. Seine Reportagen sind auch eine Anklage an die westlichen Kriegstreiber und die lokalen Warlords, die eine ganze Weltregion ins Chaos gestürzt haben.

Patrick Cockburn: Chaos und Glaubenskrieg. Reportagen vom Kampf um den Nahen Osten, Wien 2017, Orig. 2016, übers. v. Andreas Förster. Weitere Informationen auf der Website des Promedia Verlags.

Lukács‘ Klassenbewusstsein heute

In La traduction on 2016-11-10 at 1:29 pm

Georg Lukács, der ungarische Literaturtheoretiker und Kommunist deutscher Sprache, spielte bis zu seinem Tode 1971 eine wichtige Rolle als Erneuerer der marxistischen Philosophie. Er war 1919 an der ungarischen Räterepublik und 1956 am Budapester Aufstand beteiligt. In den 1920er-Jahren galt er der KPD als Linksabweichler und Revisionist. Für die radikalen 68er hingegen gehörte Lukács zu den Autoren, die man gelesen haben musste.

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Robert Lanning versucht, ein ursprüngliches marxistisches Verständnis wieder in den Vordergrund der Klassenanalyse zu rücken, und konzentriert sich dabei auf das einflussreiche Werk von Georg Lukács und dessen Begriff des zugerechneten Klassenbewusstseins. Nach Auffassung des Soziologen ist der weiterhin wichtig, weil er das Verhältnis zwischen Individuen und politischen Bewegungen der Klassenorganisierung zu fassen vermag. Und zwar im Lichte einer Lukács’schen Konzeption mit ihrer besonderen Betonung ethischer Aspekte, welche sich in der Zentralität widerspiegelt, die Lanning dem Potenzial und der Bedeutung des Individuums im bewussten Kampf für den Sozialismus zurechnet.

Robert Lanning: Georg Lukács und die Organisierung von Klassenbewusstsein, Hamburg 2016, Orig. v. 2009, übers. v. Andreas Förster. Mit einem Vorwort von Rüdiger Dannemann, Vorsitzender der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft. Weitere Informationen auf der Website des Laika Verlags.

Rezension von Werner Jung, „Von Lukács lernen. Der Soziologe Robert Lanning beweist die Aktualität der Theorie vom Klassenbewusstsein“, Beilage der jungen Welt zur Linken Literaturmesse in Nürnberg.

Revolutionäre Annäherung

In La traduction on 2016-09-16 at 3:17 pm

Der französische Titel Affinités révolutionnaires birgt zweifelsohne eine Anspielung auf Goethes Roman Wahlverwandtschaften („Affinités électives“ auf französisch). Da jedoch die schulische Faust-Lektüre wohl hierzulande einen positiven Goethe-Bezug weithin verleidet und diesseits des Rheins auch das Schulfach Philosophie, mit seiner Jahrhunderte umfassenden Perspektive, nicht existiert, kommt das Gemeinschaftschaftswerk von Michael Löwy und Olivier Besancenot mit einem prosaischeren Titel daher.

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Mit diesem Buch versuchen Michael Löwy und Olivier Besancenot, die seit Jahren bekannte gesellschaftliche Akteure innerhalb der marxistischen Strömung und der sozialen Bewegungen in Frankreich sind, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Strömungen herauszuarbeiten. Ziel dieses Buches ist es, den Verständigungsprozess der sozialrevolutionären Akteure in der Gegenwart zu fördern. Das Buch, übertragen von Elfriede Müller und Andreas Förster, erscheint hiermit erstmals in deutscher Übersetzung im Berliner Verlag Die Buchmacherei.

Michael Löwy & Olivier Besancenot: Revolutionäre Annäherung. Unsere roten und schwarzen Sterne, Berlin 2016, Orig. v. 2014, übers. v. Elfriede Müller und Andreas Förster. Weitere Informationen auf der Website des Verlags Die Buchmacherei.

Rezensionen erschienen bisher in der Graswurzelrevolution #414 (Gaspar Bartholic: „Noch eine Begegnung der ‚feindlichen Brüder'“); auf Cultureglobe, Anfang November 2016 (Maurice Schumann: „Piep, piep, piep – Anarchist*innen und Trotzkist*innen habt euch lieb!“, Wiederabdruck in der Gaidao, #72); im Neuen Deutschland (Peter Nowak: „‚Für einen libertären Marxismus'“); und in der Sozialistischen Zeitung (Manuel Kellner, Rezension).

Kritik und Konstruktion

In La traduction on 2016-06-15 at 9:55 pm

Der im Juni 2016 erschienene Sammelband Anarchismus und Geschlechterverhältnisse,  herausgegeben und eingeleitet von Philippe Kellermann, vereinigt verschiedene Aufsätze zur Beziehung von Anarchismus und Geschlecht.Thema sind unter anderem die Positionen Pierre Joseph Proudhons und Gustav Landauers, die Rolle der Frauen in der Pariser Commune, Theorie und Praxis der sexuellen Revolution bei Emile Armand, die Patriarchatskritik Elisee Reclus’ sowie die Geschlechterbilder in der Literatur des Spanischen Bürgerkrieges.

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Mit der Übersetzung der beiden letztgenannten Essays durfte ich mein Scherflein zu diesem Band beitragen. Die fortschrittlichen Ansätze Reclus‘ präsentiert John Clark, „öko-gemeinschaftlicher anarchistischer Theoretiker“ und Aktivist aus New Orleans. Prof. Richard Cleminson seinerseits widmet sich dem differenzfeministischen Geschlechterverständnis der anarchistischen Bewegung im Vorfeld der Spanischen Revolution.

Philippe Kellermann (Hrsg.): Anarchismus und Geschlechterverhältnisse (Bd. 1), Lich 1016, darin: John Clark, „Elisée Reclus und die Kritik des Patriarchats“ (2013), S. 73-80, und Richard Cleminson, „Die Konstruktion von Maskulinität in der spanischen Arbeiterbewegung: eine Studie zur Revista Blanca (1923-1936)“ (2011), S. 113-140, übersetzt von Andreas Förster.

Entfremdung und Kommunismus

In La traduction on 2016-05-15 at 4:19 pm

In Marx und Entfremdung setzt sich Sean Sayers tiefgehend mit einigen der wichtigsten philosophischen Grundannahmen in Marx’ Werk auseinander. Er stellt Marx’ Verständnis von Entfremdung und deren Überwindung wieder in den Kontext der hegelianischen Philosophie, die den bornierten Individualismus der Aufklärung überwand und historisch den Boden für den Marxismus bereitete.

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Auf originelle und zugängliche Weise erklärt und erörtert der emeritierte Philosophie-Professor Karl Marx’ Gedanken – und leistet mit Marx und Entfremdung einen wichtigen Beitrag zur marxistischen Philosophie.

In ihrem aktuellen Buch, Der kommunistische Horizont, wendet sich Jodi Dean gegen die weiter wirksamen Vorurteile des Kalten Krieges, welche das kommunistische Ideal mit den Verfehlungen der Sowjetunion in Verbindung setzen.

Im neuen Kapitalismus der vernetzten Informationstechnologien wird selbst unsere Kommunikationsfähigkeit ausgebeutet und verwertet. Aber eine Revolution ist immer noch möglich, wenn wir uns auf der Basis unseres gemeinsamen und kollektiven Begehrens organisieren.

Sean Sayers: Marx und Entfremdung. Aufsätze zu hegelianischen Konzepten (LAIKAtheorie, Bd. 61), Hamburg 2016, Orig. v. 2011, übers. v. Andreas Förster, weitere Informationen in der Ankündigung beim Laika-Verlag.

Jodi Dean: Der kommunistische Horizont (LAIKAtheorie, Bd. 60), Hamburg 2016, Orig. v. 2012, übers. v. Andreas Förster, weitere Informationen in der Ankündigung beim Laika-Verlag. (Besprechungen: Janosik Herder lobt im Portal für Politikwissenschaft die „Übersetzungsanmerkungen und vorbildlich aufgearbeitete Quellenangaben“.)

 

Die Klassenkämpfe in der UdSSR, 1930-1941

In La traduction on 2016-05-02 at 6:48 am

Charles Bettelheim, einer der profiliertesten marxistischen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, befasste sich Jahrzehnte mit der Ökonomie und Politik der Sowjetunion. Der französische Jungkommunist wurde zunächst ein Kritiker des Stalinismus, war später stark maoistisch beeinflusst, um dann in seiner letzten Lebensphase das bolschewistische Revolutionsmodell einer grundsätzlichen Kritik von links zu unterziehen.

„Das eigentliche Verdienst Bettelheims“, so schreiben die Herausgeber in ihrem Vorwort, „liegt in der Grundlegung analytisch überzeugenden Kategorien der Wirtschaftsgeschichte und -theorie, gerade für eine historische Periode, die Marx nicht erleben konnte und für die ein Teil des begrifflichen Instrumentariums erst zu finden ist.“

Bekannt wurde der marxistische Ökonom in breiteren linken Kreisen indes bereits in den 60er Jahren durch seinen wirtschaftspolitischen Disput mit dem kubanischen Industrieminister Ernesto „Che“ Guevara. Mitte der 1970er schließlich erschien Band 1 der Klassenkämpfe auf Deutsch, über die Periode 1917-1923. Erstmals erschließt nun Die Buchmacherei den Band über die 1930er Jahre (erschienen in den Jahren 1982 f.) einem deutschsprachigen Publikum. Auf über 600 Seiten untersucht und analysiert Bettelheim „die Welt der Herrschenden“ und „die Welt der Beherrschten“.

Charles Bettelheim: Klassenkämpfe in der UdSSR. Band 3 und 4, Die Buchmacherei: Berlin 2016, übers. v. Andreas Förster, gefördert durch das Programme d‘Aide à la Publication (P.A.P) des Institut français.

DHIP-Projekt: Identität, Identifizierung und Bürokratisierung

In La traduction on 2016-04-28 at 10:27 am

Das Deutsche Historische Institut Paris wartet als soziologisch-historische Denkfabrik mit allerhand interessanten Forschungsprojekten auf, mit Themen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Eine der DHIP-Forschungsgruppen befasst sich unter der Leitung von Dr. Séverine Awenengo Dalberto mit „Identität, Identifizierung und Bürokratisierung im subsaharischen Afrika“.

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Zu dem Forschungsinteresse heißt es dort:

Bei der Ausbildung der europäischen Staaten waren die bürokratische Identitätsfeststellung und die Etablierung von Identitätsnachweisen wesentliche Instrumente der soziopolitischen Kontrolle, der Machtzentralisierung und der Institutionalisierung der Nation. Obwohl die Verwaltung des kolonialen und postkolonialen Afrika derselben Logik unterlag, hat sich doch die Historiographie Afrikas für dieses Forschungsfeld bisher nur wenig interessiert, … Der Anspruch dieses Forschungsprogrammes ist es, einen – bescheidenen – Teil dieser Geschichte der Beziehungen zwischen Identifizierung, Bürokratisierung, Staatsaufbau und der Formierung bürgerschaftlichen Bewusstseins beizutragen.

Forschungsgruppe: Identität, Identifizierung und Bürokratisierung im subsaharischen Afrika (19.–21. Jh.), unter der Leitung von Dr. Séverine Awenengo Dalberto.

Siehe auch ein weiteres, interessantes Feld: Call for papers: Aktualität. Interdisziplinäre Ansätze…. Kolloquium des DHIP und der Universität Paris 3 Sorbonne Nouvelle. Abgabefrist: 15.5.2016.

Damit Gesundheit nicht krank macht

In La traduction on 2016-04-10 at 9:48 am

„Die Folgen von Ökonomisierung und Sparpolitik sind in wenigen Bereichen so existenziell erfahrbar wie in der Pflege und der Gesundheitsversorgung. Beschäftigte wie PatientInnen leiden unter Arbeitsverdichtung und Personalmangel – oft bis hin zur Gesundheitsgefährdung“, so heißt es auf der Schwerpunkt-Seite Class & Care der Zeitschrift LuXemburg.

Die examinierte Krankenpflegerin und Gewerkschafterin Marilyn Albert, Mitglied der kalifornischen National Union of Healthcare Workers erklärt, wie die Gewerkschaften des Gesundheitssektors in dem US-Bundesstaat an der Westküste ein Gesetz durchgesetzt haben, das die Anzahl der PatientInnen beschränkt, die einer Pflegefachkraft gleichzeitig zugewiesen werden dürfen.

Besonders interessant sind diese Ausführungen auch vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Auseinandersetzung zwischen Verdi und der Charité in Berlin, in der es ebenfalls um einen Mindestpersonal- bzw. Betreuungsschlüssel geht.

Marilyn Albert: „Auch in den Krankenhäusern ist eine andere Welt ist möglich – Kalifornische Pflegekräfte erringen sichere Personalbesetzung“, Luxemburg Online, April 2016, übers. v. Andreas Förster.

Smarte neue Welt.

In La traduction on 2016-01-04 at 10:43 am

LUX_1503_WEB-Titel-471x590Das neue Heft der Zeitschrift LuXemburg widmet sich den Perspektiven der digitalen Welt: “Die Roboter kommen, die Arbeit geht? Mit Schlagworten wie ‚Industrie 4.0‚, ‚Arbeit 4.0′ oder ’neues Maschinenzeitalter‘ werden derzeit Umbrüche in der Produktion verhandelt. … Soziale Medien verändern grenzüberschreitend Kommunikationsweisen und Öffentlichkeiten, Lifelogging-Apps heben neoliberale Selbsttechnologien auf eine neue Stufe, und auf der Grundlage vernetzter Nutzerdaten wird Mobilität ebenso wie Pflege und Gesundheitsversorgung grundlegend umgebaut; von den ökologischen Folgen dieser smarten neuen Welt ganz zu schweigen.”

Als Übersetzer durfte ich zur aktuellen Ausgabe der Zeitschrift LuXemburg einen bescheidenen Beitrag leisten:

Patrick Stary spricht mit Frank Pasquale: “Die Black Box knacken. Gespräch über Algorithmen, Kontrolle und Transparenz”, LuXemburg 3/2015, S. 94–99, übers. v. A. Förster.

Juan Roch: “Demokratie 4.0 – Podemos und die neuen Medien”, LuXemburg Online, übers. v. A. Förster.

Das gesamte Heft der LuXemburg-Ausgabe 3/2015 gibt es als PDF online.

Transnationaler Anarchismus. Ein Fallbeispiel

In La traduction on 2015-12-03 at 10:50 am

ne_znam_2Im November erschien das zweite Heft der 2015 gegründeten Zeitschrift Ne znam (zu deutsch: “Ich weiß es nicht”). In der Rubrik Aufsätze bietet sie etwa den Aufsatz „Transnationaler Anarchismus“ von Prof. James A. Baer (Northern Virginia Community College) über die wechselseitigen Verbindungen der anarchistischen Bewegungen in Spanien und Argentinien in den 1920er und 1930er Jahren:

„Das Hin und Her der Menschen trug zur Entstehung der anarchistischen Bewegung in Argentinien bei, welche dann die Anarchisten in Spanien beeinflusste. Oftmals sprechen wir vom Spanien in Amerika; hier nun erkennen wir die Bedeutung der Argentinier in Spanien und Europa.“

James A. Baer: “Transnationaler Anarchismus. Ein Fallbeispiel”, in: Ne znam. Zeitschrift für Anarchismusforschung, H. 2 (Inhaltsverzeichnis hier), Lich 2015, S. 3-17, übers. v. A. Förster.