Andreas G. Förster

Archive for the ‘Les sous-titres’ Category

Millers „Sacco und Vanzetti“

In Les sous-titres on 2017-08-23 at 10:41 am

Der 90. Jahrestag der Hinrichtung von Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti am 23. August war Anlass genug, Peter Millers Dokumentarfilm über die beiden unschuldig verurteilten Anarchisten mit Untertiteln in die deutschen Kinos zu bringen. Der Film erzählt die Vorgeschichte und den Leidensweg der beiden Anarchisten und beleuchtet auch die gesellschaftlichen Umstände – und die Parallelen zu heute.

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Zu Wort kommen unter anderem Verwandte und die Historiker Howard Zinn, Nunzio Pernicone und Mary Anne Trasciatti sowie der Regisseur des Spielfilms Sacco und Vanzetti (1971), Giuliano Montaldo.

Die Premiere der deutschen Fassung von Millers Sacco und Vanzetti fand im hofkino.berlin statt; ab dem 24. August 2017 läuft der Film in weiteren Programmkinos unter anderem in Berlin, Dortmund, Hamburg und München.

Sacco und Vanzetti. Ein Film von Peter Miller, USA 2006, Untertitel: Andreas Förster, auf Basis einer Übersetzung von Ralph Turnheim. Deutsche Fassung im Verleih von Sabcat Media (Vorführungstermine hier), Trailer online bei Vimeo.

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Danke, Chef! – Merci Patron!

In Les sous-titres on 2016-04-14 at 9:54 am

Der Film zur „Nuit Debout“-Bewegung – Regisseur François Ruffin begibt sich in den de-industrialisieren Teil von Nordfrankreich. Seine zunächst gutgläubigen, mainstream-medial vermittelten Ansichten treffen hier auf die harte Realität: die Schließung ganzer Fabriken durch den Luxus-Konzern LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, verkörpert im Firmenchef Bernard Arnault, und die darauffolgende Arbeitslosigkeit und Verarmung, verkörpert in der Familie Klur.

Schließlich hilft Ruffin dieser Familie von Textilarbeitern in ihrem Ringen mit der Arbeitslosigkeit und sucht die Aufmerksamkeit von Arnault: mit allen Mitteln. So wird Ruffin aus der Aktionärsversammlung geworfen, wo er mit einem „I love Bernard“-T-Shirt aufgetreten war.

Regisseur Ruffin unterstreicht, der Film richte sich nicht ausschließlich auf LVMH und auf Arnault, sondern müsse in einem allgemein „anti-oligarchischen Sinn“ verstanden werden. Der Film wurde in einer Open Air Vorführung auf der Nuit Debout in Paris gezeigt und befeuert die aktuellen Proteste gegen die Reform des Arbeitsgesetzes in Frankreich.

Dieser satirische Dokumentarfilm erhielt, nach eigenen Angaben, keine offizielle Filmförderung, sondern wurde mit Crowdfunding-Mitteln fertiggestellt.

Danke, Chef! – Merci Patron! Ein Film von François Ruffin, Frankreich 2016, ein Auszug von neun Minuten auf: labournet.tv. Deutsche Untertitel: Andreas Förster.

Wir fordern: Freispruch für die acht von Goodyear!

In Les sous-titres on 2016-03-03 at 9:25 am

Die in diesem Video festgehaltene Kundgebung vom 4. Februar 2016 in Paris war nur eine von 80, die in ganz Frankreich stattfanden. Der Protest unter Federführung der Gewerkschaft CGT richtete sich gegen die Verurteilung von acht Beschäftigten und Gewerkschaftern zu neun Monaten Haft und 15 Monaten auf Bewährung.

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Verurteilt wurden die „Acht von Goodyear“ Mitte Januar 2016 für eine Aktion, die in Frankreich in Arbeitskämpfen – insbesondere in Abwehrkämpfen gegen Massenentlassungen – immer wieder vorkommt: das „Boss-Napping“. 2014 sollen die acht Verurteilten zwei Goodyear-Manager mehrere Stunden lang im nordfranzösischen Amiens festgehalten haben.

Auf der CGT-Kundgebung in Paris kommt neben dem Thema Klassenjustiz auch die umstrittene Reform des Arbeitsrechts zur Sprache. So ruft die Arbeitsinspektorin Laura Pfeiffer der jubelnden Menge zu: „Wie kann man ganz maßlos Aktionen der Gewerkschaft unterdrücken, und sie dann zu Verhandlungen über das Arbeitsrecht einladen?! Wenn die Gewerkschaften geknebelt sind und Angst und Schrecken herrschen, sollen sie mit den Bossen verhandeln? Die Antwort lautet: Nein!“

Wir fordern: Freispruch für die acht von Goodyear! Ein Videobeitrag der CGT Métallurgie, Frankreich 2016, 5 Minuten. Deutsche Untertitel: Andreas Förster. Für labournet.tv.

Temps de conduite – Lenkzeiten

In Les sous-titres on 2015-12-04 at 11:25 am

Im Transport- und Logistiksektor ist der Beruf des Fernfahrers häufig noch umgeben von einer Aura von Freiheit und Abenteuer: die vermeintliche Unabhängigkeit und Freiheit des Fahrers, die Solidarität unter Fahrern, die Romantik der Straße.

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Yann Guillemain und Aurèle Orion haben einige von ihnen an ihren Arbeitsplätzen und in ihren Pausenräumen getroffen (in der Firma, in der Raststätte, in der Fahrerkabine) und befragten sie über ihren Alltag.

„Im Lärm der Dinge und in der Stille einer nächtlichen Straße haben wir uns hinbegeben zu den Männern, die unsere Konsumobjekte in Umlauf bringen. Männer, aber auch Frauen, die jeden Tag auf der Straße sind. Wir haben sie befragt über den Sinn ihres Berufs als Fernkraftfahrer, ihre Suche nach Freiheit und Glück; im Gegenzug befragten sie uns über den Sinn unseres Berufs: die Realität sprechen, filmen, zeigen, verraten und skandieren.“

Über Informationen zu den Arbeitsbedingungen hinaus, gelingt es den Filmemachern im freien Gespräch, tiefgreifendere, ja private Fragen aufzuwerfen: über die Beziehung zur Arbeit und über die Art und Weise, wie die Arbeit unsere Beziehung zum übrigen Leben berührt.

Temps de conduite – Lenkzeiten. Ein Film von Yann Guillemain & Aurèle Orion. Frankreich 2015, 59′. Auszug mit deutschen Untertiteln (von Andreas Förster) auf labournet.tv.

Economia Collectiva. Europas letzte Revolution

In Les sous-titres on 2015-11-26 at 3:43 pm

Der Dokumentarfilm von Eulàlia Comas gibt einen tiefen Einblick in ein weitgehend vergessenes, aber nach wie vor inspirierendes Ereignis der jüngeren Geschichte: Die selbstbestimmte Kollektivierung von 80% der katalanischen Wirtschaft zwischen 1936 und 1939.

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Auf den faschistischen Putsch General Francos im Juli 1936 antworteten die Arbeiter Kataloniens mit einer sozialen Revolution. Die Besitzlosen und ausgebeuteten Arbeiter, zum Großteil Anarchosyndikalisten, organisierten die Wirtschaft neu, selbstorganisiert und erschufen ein bis dato nie gesehenes soziales Sicherungssystem. Eine der radikalsten sozial-ökonomischen Umbrüche im 20. Jahrhundert. Europas letzte Revolution.

Economia Collectiva. Europas letzte Revolution. Ein Film von Eulàlia Comas, Spanien 2014, 66 min. Deutsche Untertitel: von Andreas Förster, OmU im Verleih von Sabcat Media.

1336 Tage. Höhen, Tiefen, aber immer aufrecht

In Les sous-titres on 2015-11-25 at 12:35 pm

Sie haben es geschafft! Sie haben ihre Fabrik übernommen: die Teefabrik vor den Toren Marseilles wird jetzt in Selbstverwaltung betrieben. Seit September 2015 sind die Packungen der Marke „1336“ in den Regalen französischer Supermärkte zu finden.

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Nach mehr als drei kämpferischen Jahren, haben die 76 verbleibenden Arbeiter_Innen von Fralib im Mai 2014 den Konflikt mit dem Lebensmittel-Multi Unilever beendet und eine Genossenschaft gegründet: die SCOP.TI. Sie übernehmen die Fabrik, die Maschinen und 20 Mio. Euro Startkapital:

„Wir haben gegen einen Konzern gekämpft! Nein, keinen Konzern, wir kämpften gegen die Welt. Das Kapital, das ist die Welt heute. Und wenn wir in Gémenos dieser Scheißwelt was Gutes tun können, da bin ich dabei! Ob ich gewinne oder verliere!“

In seinem Film lässt Claude Hirsch die bewegten Geschehnisse Revue passieren, die zu diesem Sieg führten: Fabrikbesetzungen, politischer Druck, Zusammenhalt.

1336 Tage. Höhen, Tiefen, aber immer aufrecht. Ein Film von Claude Hirsch, Frankreich 2015, 73 Minuten. Deutsche Untertitel: Andreas Förster. Für labournet.tv.

Fernand Pelloutier und die Arbeitsbörsen

In Les sous-titres on 2015-10-17 at 12:16 pm

Die französische Gewerkschaft CGT wird im diesen Jahr 120 Jahre alt. Der Film gibt einen Einblick in ein hierzulande wenig bekanntes, aber grundlegendes Kapitel der französischen Gewerkschaftsbewegung: den Arbeitsbörsen. Regisseur Patrice Spadoni bringt den Reichtum dieses spannenden kollektiven Experimentes ans Licht, und zwar durch die Lebensgeschichte eines der bedeutendsten Aktivisten der aufstrebenden, anarchistischen, bisweilen poetischen Gewerkschaftsbewegung: Fernand Pelloutier, der 1901 im Alter von nur 33 Jahren starb.

Fernand Pelloutier

Die Arbeitsbörsen waren vieles zugleich: Versammlungsort der unterschiedlichsten Gewerkschaften, Freiraum einer alternativen Gegenkultur, Arbeitsvermittlungsbüro, Platz für Kulturveranstaltungen und Berufsbildungskurse sowie ein Ort der gelebten Solidarität zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen. In wenigen Jahren sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Arbeitsbörsen entstanden, die rasch zu Zentren des Arbeiterwiderstands wurden und deren Ziel, so sagte Pelloutier, kein geringeres war als die „Revolution durch den Generalstreik“.

Fernand Pelloutier und die Arbeitsbörsen. Ein Film von Patrice Spadoni, Frankreich 2002, 59 min. Deutsche Untertitel: von Andreas Förster, OmU im Verleih von Sabcat Media.

IWW protestiert gegen Lohnraub

In Les sous-titres on 2015-08-20 at 8:01 am

Im September 2014 protestiert die örtliche Gliederung der IWW vor dem Restaurant „Freshii“ in Chicago. Die Forderungen sind einfach nachvollziehbar: die Auszahlung aller ausstehenden Löhne, ein Ende des Lohnbetrugs, die Wiedereinstellung entlassener GewerkschafterInnen und die Anerkennung der IWW Freshii Workers Union.

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Der Großteil der ausstehenden Löhne war nach einer ersten, betriebsinternen Aktion der KollegInnen (Anfang August 2014) umgehend bezahlt worden. Seither wird der Kampf um die Wiedereinstellung der drei gefeuerten KollegInnen und um die Anerkennung der Gewerkschaft geführt – seit Juni 2015 ist bei der US-Arbeitsrechtaufsicht (National Labor Relations Board, NLRB) eine Klage eingereicht. Das Franchise-Unternehmen könnte einen Präzendenz-Fall für dieses Geschäftsmodell in den Vereinigten Staaten darstellen und unter Beweis stellen: „Kein Arbeitsplatz ist unorganisierbar.“

IWW protestiert gegen Lohnraub. Ein Video der IWW Chicago. Deutsche Untertitel: Andreas Förster. Für labournet.tv.

Solidarität gegen Gier

In Les sous-titres on 2015-08-15 at 6:31 am

„Es war eine echt stressige Schicht und der Chef griff mich körperlich an: schlug mir auf die Hand. Zu Schichtende sagte ich ihm, sowas sei inakzeptabel! Er flippte einfach aus und schmiss mich raus. Ganz illegal, klar.“

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Im Oktober/November 2014 protestierte die örtliche Gliederung der internationalen Basisgewerkschaft IWW in Sheffield (Großbritannien) gegen die unfaire Behandlung eines ihrer Mitglieder: Der Chef der Restaurant- und Catering-Firma „The Greedy Greek Deli“ hatte Tomasz entlassen, nachdem er sich gegen einen Übergriff durch ihn gewehrt hatte.

Sechs Wochen lang protestierten KollegInnen der Industrial Workers oft he World (IWW) vor dem Geschäft und forderten von dem Inhaber nicht nur die Wiedereinstellung von Tomasz, sondern auch ein Ende unbezahlter Probeschichten sowie ein Mindestmaß an Respekt gegenüber den Beschäftigten. Die kleine Kampagne der IWW Sheffield stieß in dem Arbeiterviertel auf positives Echo und war – wie ähnliche Kampagnen anderer Basisgewerkschaften in den vergangenen Jahren –letztlich erfolgreich.

Solidarität gegen Gier. Ein Video der IWW Sheffield. Deutsche Untertitel: Andreas Förster. Für labournet.tv.

Well done, sister Suffragette

In Les sous-titres on 2015-06-24 at 12:49 pm

Es waren bewegte Zeiten, Anfang des Jahrhunderts, in London: Wohlhabende Frauen warfen Steine und ließen sich verhaften, traten in den Hungerstreik und wurden zwangsweise ernährt – es war der Kampf um das Frauenwahlrecht. Eine davon war Sylvia Pankhurst, Malerin und Aktivistin. Was heute selbstverständlich erscheint, musste vor gerade einmal 100 Jahren hart erkämpft werden.

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Die Dokumentation – die jetzt in Gänze zu sehen ist – erzählt vom Leben, dem Kampf und der politischen Bedeutung der Suffragette und Revolutionärin Sylvia Pankhurst. Während sich Pankhursts Mutter und ihre Schwester mit dem Wahlrecht für Frauen der Oberschicht begnügten, kämpfte Sylvia Pankhurst von Anfang an gegen das Zensuswahlrecht, für ein allgemeines Wahlrecht – für Frauen und wenig Begüterte.

Der Film ist nicht nur eine Dokumentation über eine Einzelne. Er erzählt auch von den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zuständen zu einer Zeit, als die Revolution eine konkrete Bedrohung für die herrschenden Klasse war.

Sylvia Pankhurst – Alles ist möglich. Ein Film von Ceri Dingle und Viv Regan. Untertitel: Andreas Förster, mit Unterstützung von labournet.tv.